Suche
  • Admin

Reise durch Marokkos Hinterland - oder: wo ist das Glück daheim?





Im Bus unterwegs durch Marokkos Hinterland fliegt die Landschaft an meinen Augen vorbei. Trockenes Land, karg, die Erde übersät mit Steinen. Hie und da eine Lehmhütte, der Bus braust vorbei, der Staub legt sich auf die im Wind flatternde Wäsche, er senkt sich auf die Hühner, die gackernd herumflattern und den Esel, der im Schatten eines dürren Buschs steht. Wir fahren an schmalen, der steinigen Erde abgetrotzten Feldern vorbei; ab und zu geht jemand der Strasse entlang. Weit und breit kein Haus – nichts als Staub und Steine. Woher kommt dieser Mensch und wohin geht er?

Kilometerweit auseinanderliegende kleine Siedlungen, eine Handvoll Hütten, ein paar Büsche, spielende Kinder, Frauen, die kurz von der Arbeit aufblicken, Männer, die abseits im Schatten hocken.

Die Armut erschreckt mich, ich kann mir das Leben dieser Menschen nicht vorstellen. Was denken und fühlen sie, was sind ihre Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen? Wie können sie in dieser Einöde, dieser Beengtheit – und da hilft auch die Weite der Landschaft und des Himmels nicht – Lebensfreude oder gar Momente des Glücks finden?

Weitab von Feldern und Hütten sehe ich einen Esel, der schwer beladen hinter einem Mann hergeht. Der Mann schreitet wacker aus, neben ihm hüpft ein Bub, zwei weitere Kinder gehen Hand in Hand voraus, eines dreht sich um, schwenkt den Arm winkend zum Mann.

Der Bus fährt weiter, wir lassen Mann, Esel und Kinder hinter uns, aber das Bild brennt sich in mein Gedächtnis, denn es war ein heiteres, ja, vielleicht sogar ein fröhlich anmutendes Bild. Ein Vater – so nehme ich an – mit seinen drei Kindern auf dem Weg nach Hause. Der Esel bepackt mit der Ernte des Tages. Zuhause die wartende Frau, das jüngste Kind schlafend an ihrer Brust, über dem Feuer der Topf mit Couscous.

Mir kommen die Worte in den Sinn, die mir vor langer Zeit ein kluger kleiner Junge gesagt hatte: Miss das Glück anderer nicht daran, was dich glücklich macht, jeder hat seine eigene Messlatte.

Wie recht dieses Kind hatte! Was masse ich mir an, wissen zu wollen, wo das Glück daheim ist.

Ich schaue aus dem Fenster, nehme die Bilder in mir auf, die Farben, Formen, Bewegungen.

Staunend und ohne zu werten.





0 Ansichten