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Hätte ich bloss ...


Morgen kümmere ich mich um den tropfenden Wasserhahn, um die blinkende Warnleuchte im Auto, um einen neuen Schlüssel, um meinen Schnupfen...

Und dann ist es plötzlich zu spät dafür. Weil jemand den Stöpsel im Lavabo stecken liess und das Wasser zwei Wochen Zeit hatte, das Badezimmer zu fluten, der Automotor durch zu langes Zuwarten nicht mehr zu retten ist, nun auch der letzte Schlüssel unauffindbar ist, der Schnupfen alle Zeit der Welt hatte, sich zu einer ausgewachsenen Erkältung zu mausern.

Wir alle kennen solche Situationen und ich bin wohl nicht die Einzige, die nichts daraus lernt.

Ich habe eine besondere Schwachstelle. Elektronische Geräte mögen mich irgendwie nicht besonders leiden und so verwundert es denn nicht, dass mein Laptop nie hundertprozentig einwandfrei funktionieren will.

Etwa vor einem halben Jahr musste ich – natürlich war es ein Notfall - einen PC-Doktor um Hilfe bitten. Er machte Ordnung, ordnete, versorgte, löschte, installierte und desinstallierte. Endlich hatte ich einen Laptop, wie ich ihn mir immer gewünscht hatte: aufgeräumt und perfekt funktionierend.

Fast perfekt. Denn da blieb noch dieses winzig kleine Problem mit dem einen Programm, aber darum würde ich mich gelegentlich auch noch kümmern. In diesem Programm schreibe ich meine Bücher, es beherbergt sozusagen meine Babys. Also das Wichtigste überhaupt in meinem PC. Ich habe das Ablage- und Speichersystem in diesem Programm nie ganz verstanden und bereits einmal befürchtet, eine grosse Datei verloren zu haben. Die Datei war dann glücklicherweise wieder aufgetaucht, wie, woher, weshalb – keine Ahnung.

Spätestens dann hätte ich umgehend meinen PC-Doktor einschalten müssen.

Was ich nicht tat, ich verschob es auf 'bald einmal'.

Hätte ich bloss...

Vor ein paar Wochen richtete ich mich auf einen ausgiebigen Schreibtag ein. Ich freute mich auf Primrose, meine Protagonistin, die ich die letzten Tage 'aufs Eis' hatte legen müssen. Ich öffnete die entsprechende Datei. Sie war leer. Ich versuchte es erneut mit demselben Resultat. Alles weg. Ich verbrachte einen verzweifelten Sonntag voller Selbstvorwürfe.

Hätte ich bloss...

Der Hilferuf, den ich meinem PC-Doktor schickte, wurde erst am Montag gehört. Mit seiner Hilfe liess sich das Problem rasch beheben, denn es geht bekanntlich nichts verloren im Universum.

Noch einmal Glück gehabt. Ich nahm mir fest vor, in Zukunft Dinge, die erledigt werden müssen, nie mehr auf die lange Bank zu schieben.

Seit einer Woche gibt die Waschmaschine im Schleudermodus merkwürdig scharrende Geräusche von sich. Sie klingt, als wäre sie erkältet. Sie wäscht einwandfrei, gleichwohl empfinde ich Unbehagen, wenn ich ihr zuhöre. Ich werde einen Monteur kommen lassen, die Nummer habe ich auf einem Zettel notiert, den ich aufs Ablagebrett für Haus- und Autoschlüssel gelegt habe, damit ich es nicht vergesse.

Jeden Tag sehe ich den verflixten Zettel und es kommt mir vor, als blinzelten mir die Zahlen vorwurfsvoll zu.

Ich werde anrufen, habe ich mir gestern vorgenommen aber dann habe ich es irgendwie vergessen.

Morgen, versprochen, werde ich anrufen!


Februar 2020

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