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Der Frühling kommt auch dieses Jahr!

Es ist zu früh, viel zu früh, sagte meine Freundin missbilligend und sogar Fremde warfen einen strafenden Blick auf meinen Einkauf – auf mein bescheidenes Glück


Winter, es stürmt und regnet, die Welt zeigt sich grau, nass, trüb.

Der Glanz der Weihnachtszeit ist erloschen, ein Ende des langen Januars kaum absehbar. Diesen Wintermonat assoziiere ich in erster Linie mit den Begriffen kalt, dunkel und unendlich lang, zudem mit einem leeren Portemonnaie und einem von Rechnungen überquellendem Briefkasten.


Der geneigt Leser mag bemerkt haben, dass der Januar nicht mein Lieblingsmonat ist. Seien wir ehrlich, es gibt Dinge, die mehr Spass machen als zum Beispiel frühmorgens die Autoscheiben zu enteisen, auf rutschigen Wegen zu stürzen oder sein Kind einzupacken, als unternähe man eine Nordpolexpedition. Übrigens weiss jede Mutter, dass genau in dem Moment, in welchem man die Wohnung verlassen will, das Kind aufs Klo muss.

Gleichwohl bemühe ich mich, dem Winter schöne, bereichernde Seiten abzugewinnen. Langlaufen auf den Jurahöhen macht Spass, im Kaffeehaus das Jahreshoroskop in der Zeitung studieren, daheim etwas Feines brutzeln oder mir von meinem Liebsten vorlesen lassen. Auch ab und zu warm eingepackt am See Wind und Wellen zu lauschen oder den winterklaren Sternenhimmel zu bestaunen ist herrlich. Gleichwohl, es gibt einige andere Monate – um genau zu sein elf – die ich vorziehe.


Auf dem Weg in die Stadt gehe ich an trostlos kargen Gärten entlang. Eifrig halte ich Ausschau, ob vielleicht an windgeschützten Orten Schneeglöckchen bereits durchs Erdreich ans Licht drängen. Aber es ist zu früh und obwohl ich es sehr wohl weiss, erscheint mir der Tag – ja die Welt – noch ein wenig grauer.


Im Städtchen hellt sich meine Laune auf, als ich sie in einem Schaufenster erblicke. Rosa, weiss, gelb, rot und umhüllt von durchsichtigem Zellophan. Ich presse meine Nase an der kalten Fensterscheibe platt, starre auf die Farbenpracht, zögere...

Ich kann nicht widerstehen.


Daheim stelle ich die Tulpen auf den Tisch, ein Sonnenstrahl fällt ins Zimmer auf die rosa Blumen. Ich trete ans Fenster und blicke nach draussen. Der Himmel dünkt mich weniger grau und tief in mir ist die Gewissheit, dass der Frühling auch dieses Jahr wieder Einzug halten wird.

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