Suche
  • Admin

Be my Valentin

Heute Mittag erzählte mir eine Kollegin mit roten Wangen und glänzenden Augen, dass ihr Freund sie am Abend ausführen werde...

Bereits am Morgen habe er ihr eine Rose ans Bett gebracht. Sie habe zwar nicht mehr ganz so frisch ausgesehen – die Rose – da sie die Nacht im Korridor habe verbringen müssen (die Rose, nicht die Kollegin). Aber das sei egal, es sei eine wunderbare Überraschung gewesen und sie sei sehr glücklich. Sind rote Rosen am Valentinstag wirklich eine Überraschung, fragte ich mich und zudem überlegte ich, ob die Kollegin einen neuen Freund habe, denn die letzten paar Monate hatte sie – wenn überhaupt – nicht viel Positives von ihm zu berichten gewusst. Nun aber schien die Liebe zu neuem Leben erwacht zu sein, zumindest für diesen einen, ach so besonderen Tag.


Mein Tag verlief nicht aufsehenerregend – auch der Abend wird ruhig sein, ich werde ihn alleine mit einer Tasse Tee und einem Buch auf dem Sofa verbringen.


Ob das candle-light-Dinner den Wünschen und Erwartungen meiner Kollegin entsprechen wird, weiss ich nicht. Ich wünsche ihr, dass ihr Herz an diesem Abend höher schlagen wird und vielleicht auch in nächster Zeit einen zusätzlichen Hüpfer machen darf. Doch braucht es das Spektakuläre, Aussergewöhnliche um unser Herz zu erfreuen? Sind es nicht oft die kleinen Dinge, die es glücklicher und schneller schlagen lassen.


Zumindest ergeht es meinem Herzen so, zum Beispiel letzte Woche.

Die winterlichen Strassenverhältnisse bewogen mich, mit dem Zug an das Geburtstagsfest meiner Freundin zu fahren. Doch alles hat seinen Preis, denn ich musste den Weg zum Bahnhof – der zwar nicht weit ist – zu Fuss zurücklegen; es war sehr kalt und windig.


Ich nahm einen früheren Zug als geplant, so hatte ich vor dem Treffen noch Zeit für einen kurzen Stadtbummel. Augenfällig waren die roten Herzen, die breitflächig für den bevorstehenden Valentinstag warben. Es kostete mich wahrlich keine Überwindung, diesen – meist kitschig anmutenden – Geschenkideen zu widerstehen.


Mit dem letzten Zug fuhr ich spätabends heimwärts, schaute etwas missmutig aus dem Fenster und betrachtete die Bäume, die sich im Wind bogen. Es war eine sternenklare Nacht – und entsprechend kalt! Als ich aus dem Zug stieg, schlug ich den Mantelkragen hoch und verbarg Mund und Nase gegen die beissende Kälte im Wollschal. Da fasste jemand nach meinem Arm. Erschrocken schaute ich auf und blickte in die Augen meines Valentins.


Bei dieser Kälte, sagte er und hielt mir die Autotür auf, lasse ich dich nicht zu Fuss nach Hause laufen. Es war nicht nur die angenehme Temperatur im Auto, die bewirkte, dass mir warm ums Herz wurde. Dass jemand mitten in der Nacht die behaglich warme Stube verlässt, das Auto hervorholt, wahrscheinlich ein paarmal ums Quartier kurvt um die Heizung in Gang zu bringen, nur damit ich nicht durch Kälte und Dunkelheit heim hasten musste, rührte mich. Ich fühlte mich sehr geborgen und lehnte mich zufrieden zurück.


Als ich am nächsten Morgen in meinem Kaffee rührte kam ich nicht umhin mich zu fragen, wer einen Valentinstag braucht – oder überhaupt will – wenn er das Jahr über mit Aufmerksamkeit beschenkt wird.

Bekäme ich heute einen Strauss mit 100 roten Rosen, sie bedeuteten mir nichts im Vergleich zu dem spontanen Zeichen der Fürsorge, das ich eben erst erfahren durfte.


Zudem mag ich rote Rosen eh nicht besonders – dafür Menschen umsomehr, die ihre Zuneigung spontan und unabhängig von ‚Pflichttagen‘ leben und sich nicht scheuen, diese auch zu zeigen.

41 Ansichten