Winterschlaf

Wie leblos, still, unglaublich still
Ruht der Wald im Winterschlaf
verborgen unter einer weissen Decke
Als gäb es kein Erwachen mehr

Kein Zwitschern, Summen oder Rascheln
Dringt an des eil'gen Gastes Ohr
Lautlos, sachte fallen dicke Flocken
Hüllen in eisig's Kleid die Welt

Doch hält der Wanderer müssig inne
Erblickt er leuchtend rote Hagebutten
Hingehauchte Spuren im weichen Schnee
Die von Jägern und Gejagten zeugen

Hoch oben in der schwarzen Tanne
Verborgen unter schneebedeckten Ästen
Klopft der kecke Specht sein Lied
Rhythmisch in das harte Holz

Der Fuchs setzt seine flinken Pfoten
Behutsam in die weissbestäubte Matte
Kurz nur zeigt sich, einer Fackel gleich,
Leuchtend rot sein dicker Schwanz

Des Wanderers Herz wird weit
Trotz Kälte, Eis und klammer Haut
Spürt er des Lebens ew'ge Kraft

Der Kälte trotzen - und dem Tode.

Januar 2021

Menschsein

Menschsein
Sich hingeben
In dieser Welt
Die sich unersättlich zeigt
Allesverschlingend

Menschlichkeit
Tagtäglich gelebt
Weitherzig, mit Verstand
Sich den Glauben bewahrend
Immerhoffend

Erdenbewohner
Ängstlich, dauergestresst
Ungestüm liebend, ewigsehnend
Erde, Himmel, Feuer, Luft
Menschsein

Januar 2021