Frühling - bist du es wirklich?

Zu schnell erwacht der Frühling dies Jahr
Der Schattenwurf der Sonne wird länger
Schnee schmilzt und müde Gletscher ächzen
Wasserspeicher füllen sich für kurze Zeit.

Zu früh spriesst es grün aus dunkler Erde
Zugvögel rasten zwitschern auf dem Feld
Ein Segelschiff pflügt schlingernd durch die Wellen
Und Sonnenlicht glitzert silbern überm kalten See.
Hält der Frühling uns zum Narren
Kehrt zurück der Winter über Nacht
Lässt zu Eis erstarren zarte Gräser
Und verhungern Vögel auf hartem Grund?

Lässt er herzlos sterben Blüten und Insekten
Rächt gar grausam frühe Frühlingspracht
Gibt's gar nichts zu ernten im nächsten Herbst
Ist längst nicht vorbei der eisige Frost?

Des Menschen Grössenwahns zum Trotz
Hat die Natur zuletzt das Sagen
Sie ist es, die gibt und nimmt
Die bestimmt über Fortbestand und Tod.

 

Ende Februar 2021

Winterschlaf

Menschsein

Wie leblos, still, unglaublich still
Ruht der Wald im Winterschlaf
verborgen unter einer weissen Decke
Als gäb es kein Erwachen mehr

Kein Zwitschern, Summen oder Rascheln
Dringt an des eil'gen Gastes Ohr
Lautlos, sachte fallen dicke Flocken
Hüllen in eisig's Kleid die Welt

Doch hält der Wanderer müssig inne
Erblickt er leuchtend rote Hagebutten
Hingehauchte Spuren im weichen Schnee
Die von Jägern und Gejagten zeugen

Hoch oben in der schwarzen Tanne
Verborgen unter schneebedeckten Ästen
Klopft der kecke Specht sein Lied
Rhythmisch in das harte Holz

Der Fuchs setzt seine flinken Pfoten
Behutsam in die weissbestäubte Matte
Kurz nur zeigt sich, einer Fackel gleich,
Leuchtend rot sein dicker Schwanz

Des Wanderers Herz wird weit
Trotz Kälte, Eis und klammer Haut
Spürt er des Lebens ew'ge Kraft

Der Kälte trotzen - und dem Tode.

Januar 2021

Menschsein
Sich hingeben
In dieser Welt
Die sich unersättlich zeigt
Allesverschlingend

Menschlichkeit
Tagtäglich gelebt
Weitherzig, mit Verstand
Sich den Glauben bewahrend
Immerhoffend

Erdenbewohner
Ängstlich, dauergestresst
Ungestüm liebend, ewigsehnend
Erde, Himmel, Feuer, Luft
Menschsein

Januar 2021